Wie wird aus Wolle Mode?

Wie wird aus Wolle Mode?

Eine der ältesten Materialien, die die Menschheit zur Herstellung von Kleidung nutzt, ist Wolle.

Neben Baumwolle, Leinen und Seide gehört Wolle zu den natürlichen Stoffen, hat aber im Gegensatz zu den anderen Garnen eine thermo-isolierende Eigenschaft. Es regelt die natürliche Temperatur des Körpers und schützt vor Kälte und Hitze. Wolle ist auch ein natürlicher Schutz gegen Regen und Schnee.

Darüber hinaus reguliert Wolle die Schweißbildung und lässt die Haut “atmen”. Die Innenseite der Wollfaser kann Wasserdampf aufnehmen, im Gegensatz zur Außenseite, die das Eindringen von Wasser verhindert.

Ein weiterer Vorteil, den die Wolle in Bezug auf andere natürliche Materialien hat, liegt darin, dass die Wolle sehr schnell trocknet. Wollgewebe trocknen viel schneller als z.B. Gewebe aus Baumwolle, weil diese Fasern lose und luftig sind und wegen Ihrer Elastizität nicht knittern!

Seitdem der Mensch existiert nutzt er Wolle, um Kleidung herzustellen. Wegen ihrer Eigenschaften wurde sie auf allen Kontinenten verwendet – sie war ein großartiger Isolator für die Eskimos, wurde aber auch durch afrikanische Stämme genutzt, um die Haut vor den hohen Temperaturen zu schützen. Aus diesem Grund züchteten die Menschen überall auf der Erde Schafe, so dass sie neben der Milch und dem Fleisch auch die Wolle bekommen konnten.

Vor Entwicklung der Industrie wurde Wolle in ländlichen Haushalten auf einfache Art und Weise per Hand verarbeitet. Die Schafe wurden während des Sommers einmal geschoren. Die Qualität der Wolle hing von der Art der Schafe und dem Körperteil ab, wo sie wuchs.

 

Wolle zu Garn

Die geschorene Wolle wurde im Fluss gewaschen, anschließend getrocknet und sortiert. Danach wird die Wolle gekämmt. Dafür wurde ein sogenannter Grat benutzt – eine härtere Bürste mit langen Metallzähnen.

Statt des Kamms wurden auch Wasserspeier (quadratische Holzstücke mit Metallkugeln) verwendet. Nach dem Kämmen kommt das Spinnen.

Um die Wolle zu spinnen, braucht man einen Meißel, Wolle und eine Spindel. Das Wollvlies wird an den Meißel geklammert, danach wird mit einer Hand ein Wollfaden aus dem Vliesknäuel herausgezogen, von Hand zu einem Faden verdrillt und auf einer Handspindel aus Holz aufgewickelt.

Anschließend werden mehrere Fäden durch Bewegungen der Hand zu einem dicken Faden gedrillt.

Bei der Gewinnung der Wolle waren die Männer für das Schären der Schafe und für die Gewinnung der Rohwolle verantwortlich, während sich die Frauen um die Herstellung des Garnes kümmerten. Da dieser Prozess selbst sehr kompliziert und langwierig war, mussten sich mehrere Frauen gegenseitig helfen. So entstanden die sogenannten Spinnabende. Diese Treffen fanden meist am Abend statt, bei denen die sich die Frauen miteinander unterhielten und gemeinsam sangen.

Heute leben immer weniger Menschen in den Dörfern, weshalb auch nicht mehr so viele Schafe gehalten werden. Dadurch verschwindet langsam diese althergebrachte Art und Weise der Wollherstellung.

Ein weiterer Grund ist die zunehmende industrielle Verarbeitung der Wolle, was die Herstellung erheblich kostengünstiger und schneller macht.

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